Helmut Griem in "Bel ami"
"BEL AMI" (1968)
mit Helmut Griem, Erika Pluhar, Eleonore Weisgerber...


Vor 30 Jahren war Willi Forst als Bel ami der Traum der Frauen.
Im Fernsehen zeigt HELMUT GRIEM jetzt, wie der skrupellose Herzensbrecher wirklich war
ROBOTER DER LIEBE
Er sieht so aus, dass Frauen glänzende Augen bekommen, wenn sein Name fällt. Und Männer betreten schweigen, wenn er auftaucht. Bel ami, der skrupellose Liebhaber der Belle Epoque, ein Hinterhof-Casanova, der sich vom unbedarften Unteroffizier in höchste Kreise emporarbeitete, ist wieder lebendig geworden. Zweiteilig flimmert seine pikante Lebens- und Liebesgeschichte am 19. und 20. März über den Bildschirm, mit zweieinhalb Millionen Herstellungskosten eine der teuersten Produktionen in der knapp zwanzigjährigen Geschichte des deutschen Fernsehens.
Helmut Griem, 35jähriger Burgschauspieler mit Filmerfahrung und dem Gesicht eines zorn-zärtlichen Knaben, scheint die Idealbesetzung für den rund 100 Jahre alten Anti-Helden des großen Franzosen Guy de Maupassant zu sein. Das heißt, wenn man davon absieht, Bel ami mit dem eleganten, galanten Charmeur Willi Forst zu identifizieren, der vor 30 Jahren mit dem Schlager >Du hast Glück bei den Frau´n, bel ami< der Filmliebling aller Damen wurde.
Griem hat den Mut, gegen das Idol Willi Forst anzutreten und den Bel ami so zu spielen, wie Guy de Maupassant ihn einst verstanden wissen wollte: nicht klug und nicht charmant, nicht schön, nicht galant, sondern skrupellos und gerissen, ein Ehrgeizling mit Sex und animalischer Anziehungskraft auf Frauen, die er bedenkenlos benutzt, um Karriere zu machen - ein Roboter der Liebe.
„Wo er liebt, flieht Eros“, sagt Helmut Griem, und „das Stück ist zynisch und von einer realistischen Bösartigkeit. Was wir hier alle tun“, seine ausladende Armbewegung umfasst das ganze Studio, „ist nichts anderes, als endlich den Originalstoff unter die Leute zu bringen und eine bis zur Unkenntlichkeit verkitschte Sache wieder ins rechte Lot zu bringen. Ich kann nur sagen: Forst war falsch, wir sind richtig!“
Freilich, ein tänzelnder, flötender, betörender Bonviant - das wäre auch heute nicht mehr der Mann, der Frauenherzen hinmäht. Helmut Griem ist genau der Typ, der heute in dieser Figur zu überzeugen vermag: jungenhaft, nüchtern, intelligent, von bestechender Vitalität, dabei kühl und heiß zugleich. Und obendrein ein glänzender Schauspieler. Alle Voraussetzungen, um mit diesem Original-Bel-ami eine Popularität zu erreichen, wie sie sonst den Durbridge-Helden vorbehalten bleibt. Trotzdem macht der einstige Philologie- und Psychologie-Student kein Hehl daraus, daß die Zustimmung des Publikums für ihn nur am Rande von Interesse ist.
„Ich möchte mich lieber auf die Leistung verlassen“, sagt er, „und was man heute unter Popularität versteht, hat doch in den meisten Fällen mit Leistung nichts mehr zu tun.“
Er behauptet von sich, nicht auf das breite Publikum hin zu agieren, und führt als Beweis an, daß er freiwillig nur eine Fernsehproduktion im Jahr macht. Trotz der Millionen Zuschauer. Die übrige Zeit spielt er Theater. Seine Entwicklung führt ihn, wie er glaubt, zwangsläufig zur Regie. Den ersten erfolgreichen Versuch hat er bereits in Darmstadt unternommen, wo er den „Hausmeister“ von Harold Pinter inszenierte.
„Irgendwann möchte ich ein Theater leiten, Regie führen und nur noch gelegentlich selber spielen. „ Dann sagt er: „Ziele haben für mich die Eigenschaft, daß ich sie erreiche.“ Er ist ohne Bescheidenheit, und sein Selbstvertrauen scheint unzerstörbar. Er bastelt ständig an seinem Image, denn sein Typ ist sein Kapital. So legt er Wert auf Jugendlichkeit und macht mit einem eigens dafür engagierten Trainer Konditionsübungen. Fragt man ihn nach seinem Alter, kommt die Antwort: „Ich bin so alt wie meine Rollen.“
Und dann: „Ich spiele die Rolle des Bel ami, die ja trotz der Kostüme unerhört modern und zeitbezogen ist, für meine eigene Generation. Ältere Leute interessieren mich überhaupt nicht.“ Das ist einer der Sätze, mit denen Helmut Griem die Umwelt schockieren möchte.
Aber spielt er den Bel ami wirklich für seine eigene Generation, die man die illusionslose, die offene, die revolutionäre nennt?
Regisseur und Drehbuchautor Helmut Käutner: „Die Unmoral, das Üble, in dieser Sendung geht leider nur bis an die Grenze dessen, was bei der Heuchelei des Fernsehens möglich ist.“
Aus: HÖR ZU Die illustrierte Fernseh- und Rundfunkzeitung, Jahrgang ?, S. 4-6.





Erika Pluhar: "...Ich traf Helmut Griem in Mykonos. Ich war damals Burgschauspielerin und habe im österreichischen Fernsehen ein paar kleine Rollen gehabt. Bei einem Essen sah mich Helmut Griem an und sagte: "Sie wären d i e Madeleine Forestier. Ich hatte keine Ahnung wovon er sprach. Er sprach von "Bel Ami", das vor ihm lag. Er ging vor meinen Augen zu dem kleinen Postamt und sagte: "Ich habe jetzt ein Telegramm an Helmut Käutner geschickt." Als ich wieder in Wien war, bekam ich einen Anruf von Käutner (Regisseur) - ich hatte die Rolle!..."



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